Borkum-Helgoland-Borkum Regatta 2011 mit der ‘Hein’

Schiff: Hein
Crew: Frank Simmering, Ralf Schlömer, Rainer Lübben, Jutta Simmering

Vorgeschichte

Der Entschluss war schon im vergangenen Jahr gereift, als die beiden Dehler 31 „Linus“ und die „Hein“ einen gemeinsamen Urlaubstörn nach England unternommen hatten. „Mit dem ganzen Sicherheitsequipment was wir jetzt an Bord geschafft haben, können wir auch locker an einer Offshore-Regatta teilnehmen“ hatte Frank, Skipper der “Hein“, halb im Scherz gemeint, als ihm gleich die passende Veranstaltung dazu in den Sinn kam. „Nächstes Jahr ist doch wieder die Borkum-Helogland-Regatta, wie wäre es, wenn wir die mitmachen würden?“ Der Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden: „Wir sind dabei“ waren sich seine Schwester Jutta und ihr Mann Rainer ohne zu zögern einig.

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Nun mussten nur noch zwei Entscheidungen gefällt werden:  1. Welche Dehler nehmen wir und 2. wer wird das vierte Crewmitglied?

 

Die erste Entscheidung war schnell gefällt: Die „Linus“ hat zwar die bessere Segelgarderobe, die „Hein“ aber mit 1,50m den tieferen Kiel, was für die Strecke Borkum-Helgoland und zurück als wichtiger eingestuft wurde. Auch das vierte Crewmitglied zu finden war kein Problem. Als Segelkumpan Ralf (übrigens ebenfalls ein Dehler 31-Eigner) von den Plänen hörte war er sofort Feuer und Flamme und damit engagiert. Jetzt hatten wir etwas, auf das wir uns den ganzen Winter über freuen konnten.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Noch ein Tag bis zum Start der Borkum-Helgoland-Regatta. Alles hat bislang prima geklappt. Den Sicherheitscheck hatten wir ohne Beanstandungen bestanden, Proviant und jede Menge Segel sind an Bord verstaut und alle Crewmitglieder haben die erforderlichen 2 Tage Urlaub genehmigt bekommen. Jetzt muss nur noch die „Hein“ vom Heimathafen Jemgum an der Ems nach Borkum gesegelt werden, wozu  Frank und Ralf einen zusätzlichen Urlaubstag geopfert haben, während Jutta und Rainer mit der Fähre nach Feierabend nachkommen wollen. Normalerweise sind die 36 Sm von Jemgum nach Borkum mit dem Ebbstrom locker in 5 Stunden zu schaffen. Heute ist aber nichts locker! Es bläst mit 6-7 aus NW also eine volle Kreuz bei Wind gegen Strom liegt vor der Überführungscrew. Nicht gerade ein Zuckerschlecken, aber es nützt ja nichts. Mit doppelt gerefftem Großsegel und der Selbstwendefock  bolzt die Hein gegen die unangenehm steile Welle. Plötzlich auf Höhe des niederländischen Eemshaven gibt es einen Knall und die Fock flattert laut schlagend im Wind. Es hat die Selbstwendeschiene aus der Verankerung gerissen! „Das fängt ja gut an“ denkt der Skipper. Ralf sammelt die Reste ein und auf der verbleibenden Strecke wird das gereffte Groß von der Dieselfock unterstützt. Fast gleichzeitig mit der Fähre legt die Hein auf Borkum an. Die Reste der Selbstwendeschiene werden entfernt. „Die brauchen wir auf Regatta eh nicht“ hatte Skipper Frank gewitzelt, allerdings erst als er erleichtert festgestellt hatte, das keine Schäden am Deck aufgetreten waren. Zur Belohnung gab es ein von der Wettfahrtleitung organisiertes Grillen am Clubhaus des Borkumer Segelvereins „WSV Burkana“.

Donnerstag, 30.Juni 2011

hein05Endlich ist es soweit: Nach einem anständigen Frühstück, steigen wir so langsam ins Ölzeug, es ist trockenes Wetter aber der Wind weht immer noch mit 5-6 Windstärken.

Unser Start ist für 14.10 Uhr angesetzt und gegen 12 Uhr verlassenen wir den Hafen, so können wir noch ein paar Manöver trainieren, schließlich ist es das erste Mal, dass wir in dieser Zusammensetzung eine Regatta segeln. Nach einem gut gelungenen Start runden wir die Regattatonne vor dem Südstrand Borkums. Auf der Strandpromenade tummelt sich eine große Menschenmenge, anschließend geht es zur Tonne 16, die an Steuerbord zu runden ist. Es folgt eine Kreuz bis zur Tonne Borkum Riffgatt. Da mit ablaufend Wasser gestartet wurde, hat sich ähnlich wie am Vortag eine steile gut 2,5m hohe See ausgebildet, gegen die wir uns durchboxen müssen. An der Tonne setzen wir sofort den Spinnaker und der kann bis kurz vor der letzten Wendetonne, der Jade 2A oben bleiben. Ein 55 Sm Spi-Ritt bei 5-6 Windstärken raumschots, Sonne und gut 2m Welle.

 

Was gibt es schöneres? Und was gibt es anstrengenderes? Bei jeder Welle, die uns zum surfen bringt jubeln wir, wenn wir die 10 Knoten knacken, bei jeder Welle, die gegen die Bordwand klatscht und den Kantensitzern eine kalte Dusche verpasst nicht! Egal wer gerade an der Pinne sitzt, der Gesichtsausdruck ist immer der gleiche: Ein hochkonzentriertes, angestrengtes Dauergrinsen. Problematisch wird es, wenn einem natürlichen Bedürfnis nachgekommen werden muss. Jeder Toilettengang dauerte mindestens  10 min. Bis man sich im schaukelnden Schiff die diversen Lagen des Regenzeugs ausgezogen hat, ist einem schon fast die Lust vergangen. Erstaunlich ist, wie dicht das Feld beisammen liegt. Stundenlang fahren wir neben unseren Konkurrenten her, ohne das sich einer deutlich absetzen kann. Plötzlich sehen wir wie die „Dörti“ (eine Hanse 400) auf Gegenkurs dreht und mehrere Wenden fährt. Wir halten auf sie zu falls sie Hilfe benötigt, aber kurz bevor wir sie erreichen dreht sie wieder vor den Wind und fährt weiter. Später erfahren wir, dass ihr Gennaker von „oben gekommen“ war und sich hinter dem Kiel verfangen hatte. Durch die wilden Haken konnten sie sich von den 120 m² Tuch befreien.hein02

Nach gut 9 Stunden unter Spinnaker dreht der Wind etwas und der Kurs wird zu spitz. Wir wechseln auf die Genua III und können es damit nach passieren der Tonne Jade 2a bis nach Helgoland abliegen. Leider können wir auch jetzt hoch am Wind die Konkurrenz nicht abschütteln, obwohl wir in unserer Klasse den meisten vergüten müssen. So erreichen wir nachts um 1:30 Uhr die Zielline, nach gesegelter Zeit als 4., berechnet als 5. Schiff in unserer Klasse.

Das obligatorische Anlegerbier wird nicht sehr ausgiebig zelebriert, da wir alle ziemlich erschöpft sind und es die Regattataktik gebietet, am nächsten Morgen spätestens um 10 Uhr wieder zur Rückregatta anzutreten. Denn eine taktische Besonderheit der Borkum-Helgoland-Regatta ist, dass es zwar einen gemeinsamen Start zur Hinregatta gibt, die Rückreise kann aber jeder antreten wann er will, Hauptsache er ist innerhalb des von 49 Stunden im Ziel vor Borkum. Die tatsächliche Startzeit vor Helgoland wird dabei über GPS-Tracker und von der Crew vorzunehmende Eintragungen im Wettfahrtbogen festgehalten.

Nhein07ach 5 viel zu kurzen Stunden in der Koje stärken wir uns noch mit einem kräftigen Frühstück und legen ab zu Rückregatta. Crewmitglied Jutta geht auf dem Weg zum Brötchen holen noch bei Rickmers vorbei, um neues Ölzeug zu holen, das alte war komplett durch und zu diesem Zeitpunkt war sie noch fest entschlossen, dass sie diese Regatta nicht noch einmal mit segelt. Ein wenig graut uns allen davor, die ganze Strecke, die wir am Tag zuvor unter Spi zurückgelegt hatten, kreuzen zu müssen. Glücklicherweise hat der Wind noch ein wenig nach rechts gedreht, sodass wir die gesamte Strecke ohne einen Kreuzschlag absolvieren können. Es bleiben aber trotzdem 55 Sm hoch am Wind bei unverändert 5-6 Bft. Da muss alles Gewicht auf die hohe Kante, auch wenn einen die Wellen gelegentlich einen halben Meter nach hinten befördern, wo die nächste Relingstütze sich schmerzhaft in den Oberschenkel gräbt. Da wir diesmal fast die gesamte Strecke mit dem Strom segeln können, sind wir gut eine Stunde schneller als erwartet wieder an der Riffgatt-Ansteuerung. Trotz der Strapazen hoch am Wind ziehen wir, anders als unsere Gegner, für die letzen Meilen  bis zum Ziel nochmal den Spinnaker, was uns erneut Spitzengeschwindigkeiten um 10 Knoten beschert. Nicht zuletzt dadurch haben wir uns auf der Rückreise einen 3. Platz in unserer Klasse ersegelt. In der Summe wird es schließlich ein 4. Platz, was für ein 19 Jahre altes Großserienschiff nicht so schlecht ist. Juttas Entschluss ist mittlerweile revidiert und nach dem dieses Mal ausgiebig zelebrierten Anlegergetränk und erst Recht nach der gelungenen Preisverteilung weiß sie – auch nächstes Mal will sie wieder dabei sein.