Reisebericht Borkum-Helgoland unter Regattabedingungen vom 30.06. bis 02.07.2011

Uwe Giesel, Vineta

Nach der Terminankündigung des Organisationsteam der Borkum-Helgoland-Regatta, war es klar, dass die Vineta am 30. Juni vor Borkum an den Start geht.

Nun ging es darum, eine Mannschaft zusammenzustellen. Nach vielen Gesprächen und Kalenderwälzen, stand die Mannschaft mit Günther Rolfs, Jens Bertus, Walter Smolinski und dem Skipper fest.

Vor dem eigentlichen Geschehen mussten noch etliche administrative Vorbereitungen getroffen werden. Unter anderem mussten sich alle Crewmitglieder auf der Homepage, Borkum-Helgoland-Regatta, registrieren lassen. Das Schiff musste entsprechend der umfangreichen Ausrüstungsliste vorbereitet werden. Von der Rettungsboje über die Raketen bis zur Pütz und dem 10-Liter-Trinkwasserkanister, die Feuerlöscher nicht zu vergessen.

Eine Woche vor dem Start wurde die Ausrüstungsliste von 2 Vorstandsmitgliedern, wie es in der Ausschreibung vorgeschrieben war, überprüft. Britta und Jürgen übernahmen dankenswerterweise diese Aufgabe

Die Regattaschiffe sollten am Mittwoch, den 29.06. in Borkum eintreffen, um noch evtl. Sicherheitskontrollen von der Regattaleitung durchführen zu können. Am Mittwoch gegen 12:00 Uhr legten Walter und ich im Jemgum ab. Windvorhersagen NW5-6 in Böen 7. Jens und Günther planten, mit der Fähre am Donnerstag nach Borkum zu kommen. Schon an der Knock empfing uns der Nordwest mit der bekannten hohen und kurzen Welle. Nach einigen Schlägen war klar, die Genua 3 muss runter und die kleinere 17er drauf. In der Welle am Wind leichter gesagt als getan. Aber irgendwann stand das neue Vorsegel. Hinter uns tauchte die Hein auf und schon waren wir im Training. Höhe Kraftwerk fuhr die Hein nur noch mit gerefftem Groß und Motor vor uns. Die Erklärung kam auf Borkum. Die Schiene der Selbstwendefock war gebrochen. Ein schöner Beginn!

Im Clubhaus von Burkana empfingen wir unsere Poloshirts, Flaggen usw. vom Organisationskomitee. Die Mannschaften konnten sich anschließend vorbereitetes Grillgut auf der Terrasse von Burkana brutzeln.

Nach den üblichen Sprüchen und ein paar Bierchen ging es zeitig in die Koje, da um 8:30 Uhr am anderen Morgen noch einiges zu erledigen war. U.a. Empfang der Transponder, die den Standort der Yachten auf See übermitteln sollten. Jetzt noch einmal den Seewetterbericht übers Internet angeschaut. Die Meldung Starkwind oder Sturm für die Deutsche Bucht sorgte nicht für Freudensprünge. Der Seewetterbericht bis heute Mitternacht: Nordwest 5-6 in Böen 7. Das kann ja bis zum Riffgatt lustig werden. Kommentar von Walter: „Wenn Jens kommt, werde ich sagen, du kannst meine Stiefel haben, ich haue ab.“ Er ist geblieben!

Um 09:00 Uhr die letzte Steuermannsbesprechung. Mit einer Suppe zum Mittag bereiteten wir uns auf den Start um 14:10 Uhr vor.

Gegen 12:30 Uhr ging es raus. Ein paarmal wurde das Startschiff „Wappen von Borkum“ umrundet und dann ging es an den Start.

14:10 Uhr der Startschuss für unsere Gruppe. Es musste in Kurs zum Borkumer -Strand gesegelt werden, wo eine gelbe Wendetonne positioniert war. Unser Start hätte etwas besser sein können, aber wir hatten ja noch 75 Meilen vor uns, wo wir noch einiges korrigieren konnten. Dann wurde die Tonne 16 an Steuerbord gelassen und Kurs auf die Riffgatttonne genommen. Hohe Dünnung empfing uns im Riffgatt, meterlange hohe Wellen laufen unterm Schiff durch!reisebericht 2 clip image002

Hein im Nacken!

Als zweites Schiff in unserer Gruppe gingen wir um die Riffgatttonne. Boekanier war vor uns nur noch schwer auszumachen. Jetzt lag ein Kurs von ca. 70 Grad an. Wind Raum von achtern. Muss der Spi in dieser Welle kommen? Wir laufen ja schon 7,5 Knoten. Er musste kommen, denn die Spies von Hein, Laway und Rosy-Maes wurden hinter uns größer.

Wir nehmen aber den „Kleinen“. Jetzt fegten wir mit teilweise 11,5 Knoten über Grund und die 40-Fuß-Schiffe ohne Spi, obwohl 10 Minuten früher gestartet, kamen näher. Höhe Norderney wurde der Spi der Boekanier für uns etwas größer und größer. Das gefällt uns gut. Jens: „Höhe Wangerooge haben wie sie.“ Die Vineta surft doch ganz gut. An der Wendetonne Jade 2a lag die Boekanier noch ca. 2 Kabellängen vor uns. Unsere Konkurrenten in Sichtweite hinter uns. Jetzt ging es mit Nordkurs auf Helgoland zu und die Sonne ging langsam unter.

Eine Stunde später bei völliger Dunkelheit und 7 Knoten über Grund ging es der blinkenden Zieltonne Helgoland-Ost entgegen. Um 01 Uhr 12 Minuten und 20 Sekunden ging es über die Ziellinie.

Die grüne Leuchttonne 1 und die Rote 6 zeigte uns den Kurs zur Hafeneinfahrt. Aber jetzt kam ein „Tannenbaum“ aus der Helgoländereinfahrt. Kurs halten auf grün! Wie seine Positionslampen anzeigen, geht der auf Südkurs. Aber jetzt ändert er plötzlich den Kurs und läuft vor uns Richtung Osten weg.

Leinen fest an Boekanier, die 10 Minuten vor uns festgemacht hatten. Da Gerrit Bültjer, der zur Crew der Boekanier gehörte, um Mitternacht 24 Uhr 50 Jahre alt wurde, gab es von ihm erst einmal einen Schnaps. Nach ersten Berechnungen müssten wir im vorderen Feld platziert sein. Nach einem kleinem Imbiss und einem Absacker ging es gegen 3:00Uhr in die Kojen

Am Freitagmorgen erst einmal den Wetterbericht gehört. Nordwest-5-6. Eine Böenwarnung für die Ostfriesische Küste ( 8 BFT.) Die Genua 1 konnte im Sack bleiben. Jetzt wurde der richtige Startzeitpunkt unter Berücksichtigung der Tidenverhältnisse geplant.

Zur Versorgung gingen wir gegen 09:00Uhr noch einmal in den Dieselhafen und starteten um 10:16 eine Minute vor Hein an der Helgoland-Ost-Tonne ungerefft und mit Highaspekt. Kurs ca.180 Grad zur Tonne Jade 2.reisebericht 2 clip image004

Zur Jade 2!

Nach der Jade 2 war jetzt die Riffgatttonne das nächste Ziel. Bei dem Nordwest konnten wir gut anliegen. Der Wind nahm weiter zu und wir steckten ein Reff ins Großsegel. Hein entfernte sich langsam von uns. Eigentlich müssten wir bei dem Wind gut mithalten können, aber wenn die Dehler 31 gut gesegelt wird und das wurde sie mit Jutta, Frank, Ralf und Rainer, haben wir es schwer, mitzuhalten.

Höhe Norderney nahm der Wind weiter zu. DP meldete noch einmal die Böenwarnung für die ostfriesische Küste 8Bft. Am besten, den Wetterbericht für heute nicht mehr hören!

Allmählich war die Vineta nicht mehr vernünftig auf Kurs zu halten und wir entschlossen uns, eine kleinere Fock zu setzten. Leichter gesagt als getan. So schön eine Rollanlage auch ist, auf See unter Regattabedingungen nicht das Ideale.

Nachdem Günther am Vorstag beim Wechseln einige Brecher einstecken musste, knallte es und seine Automatikweste ging auf. Kleiner Schreck und weiter.

Nach ca. 10 Min. war das Segel getauscht, hier rächte es sich, dass der Keder dieses Vorsegels noch nicht getauscht wurde.reisebericht 2 clip image006

Jetzt lief es deutlich besser. Hein noch zu sehen? Jens: „Ich sehe ihn noch“. 15 Min. hinter Hein rundeten wir die Riffgatt-Tonne. Meine Entscheidung: „In dieser Welle geht keiner nach vorn e zum Spisetzen. 8 Knoten über Grund sollten reichen für die restlichen 10 Seemeilen.“ Um 21.12. Uhr gingen wir über die Ziellinie an der Emstonne 16 vor Borkum.

An der Riffgattonne, die wir jetzt schon 3 Mal innerhalb von 7 Tagen bei diesen Windverhältnissen unter Regattabedingungen sahen, ( auch Borkum-Riff), war man noch der Meinung, bei diesen Windverhältnissen muss es nicht die Borkum-Helgoland sein. An der Fischerbalje war man aber schon einstimmig der Meinung: 2013, sind wir wieder dabei.reisebericht 2 clip image008

Wir sind durch!

Fazit des Skippers: Gute Arbeit der Crew. Platz 2 in unserer Gruppe und über beide Klassen mit 30 Sekunden hinter der Rosy Maes bei der Wettfahrt Borkum-Helgoland. Gesamtergebnis über beide Strecken Platz 3, in unserer Gruppe und über beide Klassen.

Am Samstagabend ging es gemeinsam mit allen Regattateilnehmern zur Kleinbahn, wo wir mit der historischen Dampflok zum Bahnhof geschaukelt wurden. Von hier ging es mit Marschmusik zum Festzelt, wo anschließend die große Preisverteilung stattfand. Zu welcher Zeit die einzelnen Crewmitglieder wieder an Bord waren, bleibt hier offen.

Bilder und Zeitungsberichte der BHR auf der Homepage von Luv-up und der
„Borkum-Helgoland-Regatta“-Seite – www.borkum-helgoland.nl

Uwe Giesel
Vineta