Kindersegelsommer 2010: Ein Bericht der Familie Decker über ihre 3-monatige Ostseereise mit ihren 3 Kindern

Im Vorfeld wurden wir immer wieder gefragt: „Segeln mit Kindern? Geht denn das? Ist das nicht langweilig für die Kinder? Ist es nicht zu gefährlich, mit den Kindern nach Litauen, Lettland oder sogar Russland zu segeln?“ Vor der Fahrt waren wir uns natürlich auch nicht vollkommen sicher, aber nun, nach 2.250 sm in 87 Tagen von der Ems aus einmal rund um die Ostsee und zurück ist klar: Fahrtensegeln mit Kindern ist gar kein Problem, wenn man die Kinder mit in die Reise einbezieht und sich richtig vorbereitet.

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Zähneputzen muss sein, auch an Bord

Es sollte eine kleine Auszeit für uns als Familie werden. Wir sehen uns aus beruflichen Gründen selten, meist nur am Wochenende und im Urlaub. Diese Zeit nutzen wir zwar sehr intensiv, aber für uns war es ein Traum, einmal einen langen Zeitraum ohne große Verpflichtungen gemeinsam zu verbringen. Wir, das sind meine Frau Susanne, unsere drei Kinder Arne (6), Sven (5) und Helen (1) sowie ich selber. Mit etwa einem Jahr Vorbereitung konnte ich meinen Arbeitgeber zu einem Sabbaticcal bewegen und wir begannen Ende Mai 2009 mit der Planung.

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Posteinwurf in Polen für den Kindergarten und Oma und Opa

Die Idee stand relativ schnell fest. Wir wollten mit unserem Boot, einer Unna 31, den Sommer auf der Ostsee verbringen. Dabei sollte nicht ein bestimmtes Ziel im Vordergrund stehen, sondern unser Motto lautete „So weit nach Osten wie möglich“. Dabei wollten wir aber auf keinen Fall zwei Dinge vergessen. Die Kinder sollen auch nach der „Großen Segeltour“ – so haben die beiden Großen Arne und Sven die Reise genannt – noch Spaß am Segeln haben, denn sie sollen ja der künftige Segelnachwuchs sein. Und zweitens wollten auch wir uns erholen und nicht „auf Teufel komm raus“ Meilen abreißen.

Bei der Vorbereitung wurde klar, dass unser nur 9,4 m kurzes Boot für 5 Personen und 3 Monate nicht gerade üppig bemessen ist. Wir wollten aber trotzdem unbedingt mir unserem eigenen Boot losfahren, denn bei dem wissen wir, wie es sich in den verschiedensten Situationen verhält. Außerdem ist es ein unglaublich praktisches Boot mit guten Segeleigenschaften, toller Aufteilung und viel Stauraum. Trotzdem wurde es uns Angst und Bange als wir überlegten, was unbedingt an Bord muss: Windeln und Milchpulver für Helen wurden für fast 2 Monate eingepackt, schließlich war uns nicht klar, was uns in den baltischen Ländern erwarten würde. Außerdem natürlich diverse Medikamente gegen typische Kinderkrankheiten sowie Literatur zur Selbstdiagnose entsprechender Krankheiten. Medikamente und Bücher wurden während der gesamten Reise zum Glück nicht ein einziges Mal benötigt. Viel wichtiger waren: Kinderferngläser, Spielzeug, Malsachen, Bücher, das Aufgabenheft zur Schulvorbereitung für Arne und – ganz wichtig – Kescher, Senke und Schlauchboot. Das Schlauchboot war zwar etwas sperrig, ließ sich aber in den ersten Wochen – als es noch nicht benötigt wurde – gut zwischen Salontisch und –bank verstauen. Dadurch gab es zwar kein Durchkommen unter Deck auf Backbord Seite mehr, aber wen stört das schon?! Viel wichtiger war die Aussicht darauf, dass die Kinder beim Ankern oder in Häfen mit dem Schlauchboot auf Erkundungstour gehen konnten. Alles in allem lässt sich sagen, dass allein die „Ausrüstung“ für die Kinder fast der normalen Menge für 2 Erwachsene im Sommerurlaub ausgemacht hat.

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Unsere Kinder sind immer an den
Schwimmwesten zu erkennen

Und auch für die Erwachsenen kamen noch einige Dinge an Bord, neben den vielen Stapeln an Seekarten und Handbüchern wurde die „normale“ Ausrüstung noch um eine Sturmfock, Seenotsignalmittel, Bilgepumpe, ein Handfunkgerät (zusätzlich zum fest eingebauten Gerät), 35 Liter Diesel in Kanistern, einen Bojenfänger (der auf der Nordsee nicht benötigt wird) und einen Kartenplotter ergänzt. Mit jedem Wochenende vor Beginn der Fahrt wurde das Boot voller und voller und wir fragten uns schon, ob unsere arme Alkor nicht bald untergehen müsste.

Die Reise als solches verlief unspektakulär, so wie es sein soll. Wir starteten am 13. Mai in unserem Heimathafen Jemgum und ließen unseren Segelverein Luv Up Jemgum mit einem lachenden und einem weinenden Auge im Kielwasser liegen. Dank günstiger Winde querten wir schnell via Helgoland die Nordsee in Richtung Nord-Ostsee-Kanal und haben uns von Kiel auf (fast) direktem Weg nach Klintholm als Ausgangspunkt für die Fahrt nach Bornholm begeben. Dort wollte Rasmus uns aber nicht hin lassen. Flaute und Nebel haben uns zwei Anläufe nehmen lassen, um dann am dritten Tag nach Auflösung des erneuten Nebels kurz entschlossen in Richtung Rügen zu fahren. Damit war klar, dass wir uns in Ruhe die polnische Küste anschauen würden. Von Sassnitz auf Rügen aus haben wir mit Kolberg unseren ersten polnischen Hafen angesteuert und sind dort ohne Probleme angekommen. Für uns fast überraschend gab es keinerlei Formalitäten zu klären, die Einreise verlief ebenso unspektakulär wie in jeden anderen Hafen in Deutschland, Holland oder Dänemark. Das Glück war uns weiter treu und wir konnten alle militärischen Sperrgebiete entlang der polnischen Küste durchfahren. Die Hafenmeister konnten immer Auskunft erteilen, wie sich die Lage in den nächsten zwei bis drei Tagen entwickeln würde. Die Kommunikation war zwar nicht immer einfach, aber irgendwie hat sie immer geklappt. Wenn weder Englisch noch Deutsch verstanden wurde, mussten manchmal Zeichnungen und eine einfaches „Ok?“ herhalten.

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Nach nebliger Überfahrt ist das erste
Etappenziel erreicht – wir freuen uns auf Danzig

Während der Fahrt haben wir uns immer bemüht, die Zeit auf dem Wasser für die Kinder nicht zu lang werden zu lassen. Daher sind wir auf längeren Tagesetappen häufiger um 5 Uhr ausgelaufen, um so bereits vor dem Aufwachen der Kinder eine Strecke abgesegelt zu haben. Das hat gleich einen doppelten Vorteil. Für die Kinder ist die Zeit auf dem Wasser nicht zu lang und wir als Eltern konnten auch einige Stunden Segeln ohne Kinder genießen. Während dieser Zeit konnten wir uns Wind und Wellen hingeben. Das ist mit wachen Kindern nicht immer möglich. Neben den alltäglichen Grundbedürfnissen („Mama, ich hab Hunger.“ „Papa, ich muss mal.“) wollen die Kinder natürlich auch an Bord spielen. Bei uns war das Boot selber das beste Spielzeug: Neben Bändseln, die in immer wieder neuen Varianten zusammengeknotet wurden, waren auch die Luv-Winschen beliebte Spielzeuge. Über Stunden hinweg konnten Leinen darumgewickelt und dichtgeholt oder auch nur mit der Kurbel die Winsch gedreht werden. Bei gutem Wetter in der Plicht reichte den Kindern oft auch das Ausschau gehen, Benennen von vorbeifahrenden Schiffen (Containerschiff, Tanker, Kümo, Schlepper, …) oder alternativ das Suchen nach Piratenschiffen.

Leider waren an der polnischen Küste – wie auch im weiteren Verlauf entlang der baltischen Staaten – fast keine Familien mit Kindern unterwegs. Das führte dazu, dass Arne und Sven ihr eigenes Ritual für die Ankunft im Hafen entwickelt haben. Kaum waren wir angekommen, stellte einer die Frage „Papa, ist das ein guter Fische-Fang-Hafen?“ Und egal wie die Antwort lautete, danach hieß es „Holst Du uns die Senke, den Kescher und den Eimer raus?“. Und dann verschwanden die beiden meist für einige Stunden auf die Stege, um Fische zu fangen. Sven – der kommunikativere von den beiden – hat alternativ gern Kontakt zu anderen Seglern gesucht und gefunden. Ein klein wenig Deutsch haben fast alle Segler unterwegs gesprochen (Niederländer, Engländer, Polen und natürlich unsere Landsleute) und so verschwand Sven auch oft auf Nachbarbooten und kam anschließend satt und gut gelaunt wieder zurück an Bord. Das schöne daran war, dass sich auch niemand über sein Verhalten beschwert hat – er wurde immer gern aufgenommen.

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Lieblingsbeschäftigung der Kinder:
Fischefangen mit Senke und Kescher

In diesem Zusammenhang sei vielleicht noch bemerkt, dass bei uns an Bord und auf den Stegen für die Kinder immer Schwimmwestenpflicht herrscht. Ausnahmen gibt es keine, so dass sie sich an das Tragen der Westen gewöhnt haben und gar nicht auf die Idee kommen, ohne Weste sein zu wollen. Oft ging das so weit, dass die Kinder auch beim Stadtrundgang noch ihre Schwimmwesten trugen. Für sie war das kein Problem, für einige Passanten offenbar schon – sie haben immer wieder mit erstaunten Blicken den Kindern (oder den verrückten Eltern?!) hinterher geschaut. Für uns lag der Vorteil jedoch auf der Hand, denn so waren die Kinder am Hafen noch gesichert und wir als Eltern mussten die Westen nicht für die Kinder tragen und konnten außerdem Arne und Sven auch auf größere Entfernung in der Stadt noch als unsere Kinder identifizieren

Danzig war natürlich als Stadt ein absolutes Highlight, die Stadt ist wunderschön und der Hafen am Rande der Altstadt ist traumhaft gelegen. Jedem Leser – und vor allem jedem Ostsee-Segler – sei diese Stadt als Ziel ans Herz gelegt.

Von Danzig aus haben wir dann den Abstecher nach Russland – in die Enklave Kaliningrad, das ehemalige Königsberg – gemacht. Hier wurden wir ganz besonders freundlich empfangen. Die Zollabfertigung war problemlos, im 17 sm langen Seekanal – kurz vor dem Abzweig zum Kaliningrad Yacht Club – wurden wir von einem russischen Segelboot empfangen und Juri, ein einheimischer Segler, kam zu uns an Bord. Er hat uns dann den unbezeichneten Weg vom Seekanal zum Hafen des Kaliningrad Yacht Club gezeigt und sicher an einen Liegeplatz gelotst. Im Hafen wurden wir von unglaublich freundlichen Seglern empfangen, die ihrem Hobby trotz offenbar geringer Mittel mit großer Leidenschaft nachgehen und alle ankommenden Segler wie Freunde empfangen. Allerdings war der Hafen in sehr marodem Zustand, er ist aber für Sportboote ausreichend tief. Wir lagen an einer vermutlich im Krieg zerbombten Betonpier, aus der Betonstücke und Bewehrungseisen herausragten. Unsere kritischen Blicke waren wohl nicht zu übersehen und im Handumdrehen wurden einige Kanthölzer und Leinen herbeigeschafft, mit deren Hilfe die gefährlichsten Ecken entschärft wurden. Für die Kinder entpuppte sich der Hafen des Kaliningrad Yacht Club als wahrer Glücksfall. Überall lagen alte Hölzer, Stahlteile und sonstige alte Materialien, die zum Teil bereits seit Jahren nur darauf warteten, noch einmal benötigt zu werden. So war der Hafen für die Kinder ein großer Abenteuerspielplatz mit angeschlossenem Badestrand.

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Auf dem Seekanal nach Kaliningrad ist es
ruhig, die Kinder können nach Vorn

Nach einer Stadtbesichtigung in Kaliningrad und dem Ausklarieren bei den freundlichen, russischen Zöllnern verlief die Fahrt entlang der litauischen und lettischen Küste ohne Probleme und ohne große, seglerische Highlights. Beeindruckend ist die Länge der Küste, man hat den Eindruck, dass es sich von Kolberg bis nach Ventspils um einen einzigen Sandstrand handelt. Für die Kinder ist das natürlich ein Paradies, da man von vielen Häfen aus in kurzer Zeit an wunderschönen Stränden ist. Leider war es von Mitte Mai bis Anfang Juni noch sehr kalt, so dass wir immer in Fleece und Ölzeug unterwegs waren und nicht ans Baden gedacht haben.

Mit Estland haben wir dann unseren persönlichen Höhepunkt der Reise erreicht. Das Land ist traumhaft schön, die Menschen haben wir als sehr entspannt und freundlich kennengelernt. Gleichzeitig scheinen sich die Esten fast gar nicht nach Süden oder Osten zu orientieren, sondern ausschließlich nach Norden, vermutlich überwiegend nach Finnland. Entsprechend oft waren Saunen zu finden und auch die Architektur wirkte im Großen und Ganzen eher Skandinavisch. Das Land – zumindest der Westen, den wir gesehen haben – ist flach und sandig, jedoch mit einigen kleinen und mittleren Steinen gespickt. Dazu ist es reichlich bewachsen mit Bäumen und Sträuchern. Estland ist ein Ziel, das wir in jedem Fall wieder ansteuern würden.

Mittlerweile waren fast 40 der geplanten 90 Tage verstrichen, so dass wir uns nicht viel Zeit im Hohen Norden lassen wollten und schnell den Rückweg eingeschlagen haben. Über Hanko und Utö in Finnland konnten wir quasi in Tagesetappen in die Stockholm-Schären kommen. Nur von Utö nach Sandhamn-Lökholmen war eine Nachtfahrt erforderlich. Das ist aber so weit im Norden gar kein Problem, es wurde quasi nicht dunkel, da die Fahrt nur wenige Tage vor Mittsommer stattfand. Für die Kinder waren die Nachtfahrten natürlich immer willkommene Abwechslungen, da sie spät ins Bett durften und die Koje so schön geschwankt hat.

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Flaute auf See: Wir üben den Palstek

In Sandhamn begann dann das andere, das „kommerzialisierte“ Segelleben wieder. Das ging glücklicher Weise aber auch damit einher, dass wir endlich wieder andere Familien mit Kindern auf den Booten trafen. Gerade der Naturhafen Sandhamn-Lökholmen ist ein Paradies für Kinder. Der Hafen ist extrem geschützt, die Kinder aller Boote aus diversen Nationen spielen miteinander auf dem Steg oder unter den Kiefern und abends endet der Tag mit einem kollektiven Grillen. Ab hier war dann auch „Schlauchboot-Zeit“, das Boot wurde für die Kinder aus dem Salon geholt und von da an auf dem Vorschiff gefahren – immer bereit für den nächsten Einsatz.

Die Rückfahrt führte uns dann durch die Stockholm-Schären nach Süden, von dort nach Gotland und durch den Kalmar-Sund – an Öland vorbei – immer weiter nach Süden. Visby auf Gotland ist sicherlich auch ein „Muss“, das jeder Ostseesegler gesehen haben sollte. Die alten Gebäude, Kirchen und Ruinen aus der Hansezeit sind beeindruckend hinsichtlich Größe und Schönheit. Gegenüber den anderen Hansestädten hat Visby einen besonderen, eigenständigen Charme, da die Gebäude sehr viel weniger verspielt und dafür sehr wehrhaft und trutzig wirken. Für die Kinder war es toll, die Ruinen – wie auch zuvor bereits in Estland – relativ frei und ohne die für Deutschland typischen Vorschriften erkunden zu können. So konnten sie ihrem Entdeckerdrang vollkommen freien Lauf lassen.

Der Kalmar-Sund, auch ein sehr schönes Segelrevier, hat uns mit „varmrökt lax“ und stillen, kleinen Häfen begeistert. Die Kinder haben in Kristianopel den „Anführer der Fische“ gefangen, als sie mit der Senke einen über 20 cm langen Fisch erwischen konnten. Glücklicherweise konnten wir ihnen erklären, dass der Schwarm seinen Anführer benötigt, so dass das arme Tier wieder im Wasser und nicht bei uns in der Pfanne gelandet ist.

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Es muss nicht immer Sandstrand sein.
Wir grillen am Kalmarsund.

Weiter ging es über Utklippan und Hanö in Richtung Simrishamn. Allerdings haben wir unseren Landfall bereits kurz vor Simrishamn gemacht – denn dort sollte Hafenfest sein und uns war eher nach einem ruhigen Hafen zumute. So hat es uns nach Kivik verschlagen, obwohl das Hafenhandbuch gar nicht besonders einladend klang. Kivik ist ebenfalls ein sehr lohnenswertes Ziel, das sowohl durch seinen Hafen mit zwei Sandstränden und Schilfufer als auch durch seinen malerischen Ort mit Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäusern und bezaubernden Blüten besticht.

Leider konnten wir auch dort nicht bleiben, denn drei Monate sind wirklich nicht lang, um die Ostsee zu erkunden. So haben wir uns entlang der schwedischen Südküste gehangelt und sind von dort wieder nach Klintholm gefahren. Hier hat sich erstmals das Gefühl bemerkbar gemacht, dass die Reise sich dem Ende neigen könnte. Immerhin haben wir in Klintholm unseren ersten Kreis dieser Reise geschlossen.

Noch war allerdings nicht Schluss, südlich von Mön segelten wir nach Vordingborg und über Omö in die dänische Südsee. Dort war es uns aber nach der Erfahrung der ersten Wochen viel zu voll, so dass wir uns relativ schnell entschlossen haben, wieder in Richtung Nordsee aufzubrechen; nicht allerdings, ohne noch einen Tag und eine Nacht vor Anker in Thurö-Bund zu verbringen. Als Ankerbucht ist der Ort ja sicherlich vielen bekannt, allerdings ist es auch sehr lohnenswert, mit Kindern zum kleinen Anleger zu rudern und dort den Tag zu verbringen. An einem Baum ist eine tolle Fender-Schaukel angebracht, der Wald lädt zum Klettern ein und der Grillplatz ist fantastisch gelegen. Wir haben dort einen wunderbaren Tag verbracht.

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Hier gibt es keine Fische, daher
reinigen die Kinder die Fender – ohne Zwang!

Die weitere Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal, die Elbe nach Helgoland und über Norderney zurück in die Ems nach Jemgum verlief weiterhin sehr ruhig und problemlos. Wir hatten ausreichend Puffer, um noch einige schöne Tage auf Helgoland, auf Norderney und auf Juist zu verbringen, wo sich alle drei Kinder noch einmal richtig im Sand austoben konnten. Nach 87 Tagen kamen wir dann schließlich gut erholt und mit einem Strahlen im Gesicht wieder in unserem Heimathafen Jemgum an. Dort wurden wir wieder mit offenen Armen vom Luv Up empfangen und konnten den ersten Abend „zu Hause“ bei Lagerfeuer, Fleisch vom Grill und reichlich Bier genießen.

Am nächsten Tag ging es dann ans Ausräumen und es wurde klar: Nicht nur Susanne und mir, auch den Kindern hatte es gut gefallen. Als ich die neun Gastlandflaggen der besuchten Länder von Bord brachte, fragte Arne mich, warum die denn nicht an Bord bleiben sollten. Die würden wir doch bestimmt bald wieder brauchen. Als ich dann Arne und Sven erklärte, dass das wahrscheinlich die letzte gemeinsame „Große Segeltour“ war, fing Sven an zu weinen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass bald wieder das „normale Leben“ losgehen würde. Und selbst Helen – mit einem Jahr noch nicht so alt, alles genau verstehen zu können – war verstört, als sie merkte, dass wir das Boot ausräumen und wegfahren wollen.

Ja, und wir? Wie ging es uns? Am besten beschreibt das vielleicht unsere Antwort auf die Frage, die uns im Anschluss an die Fahrt gestellt wurde: „Würdet ihr das wieder machen?“ Unsere klare Antwort war „Nein, das würden wir nicht wieder machen. Beim nächsten Mal würden wir mindestens vier Monate lang losfahren.“

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Die Schären in Finnland sind glatt gerieben
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Helen blickt stolz auf ihren Papa
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Helen hat einen geeigneten Sitzplatz gefunden
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Wir liegen vor Anker und klettern an Land – gibt es etwas Schöneres?
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Auch die Kinder dürfen immer mal an die Pinne
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Unordnung ist normal – unterwegs gehört der Salon den Kindern
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Ab Schweden wird das Schlauchboot zum wichtigen Spielzeug
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Kaliningrad Yacht Club – einfach, aber herzlich!
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Braungebrannt, strohblonde Haare und ein strahlendes Lachen – Segeln mit Kindern soll nicht funktionieren?!
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Wieder daheim – Boot und Familie sind heil wieder auf den alten Liegeplatz zurückgekehrt – um 9 Gastlandflaggen „reicher“
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Arne und Sven fahren uns – wir genießen
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Helen darf noch nicht allein auf den Steg – sie kühlt sich dafür in der Pütz etwas ab